Für die serbische Gemeinschaft im Ausland hat die Nachricht aus Manhattan eine besondere Bedeutung: Erstmals wurde die Geschichte des jahrhundertelangen Leids des serbischen Volkes am 10. und 11. Juli auf den Straßen einer der belebtesten Metropolen der Welt präsentiert. Das Gedenkzentrum der Republika Srpska stellte der internationalen Öffentlichkeit die Kampagne „Learn About Serbian Suffering – Lernen Sie das Leid des serbischen Volkes kennen“ vor. Im Rahmen der Initiative wurde eine mobile Multimedia-Ausstellung mit dokumentierten Fakten über die lange und leidvolle Geschichte des serbischen Volkes organisiert.

An beiden Tagen war die Ausstellung auf den Straßen Manhattans unterwegs, dessen tägliche Gesamtbevölkerung – einschließlich Einwohnern, Berufspendlern, Touristen und Besuchern – nahezu vier Millionen Menschen erreicht. Sie machte an symbolträchtigen Orten Halt, darunter vor dem Hauptsitz der Vereinten Nationen sowie an weiteren Plätzen, die für internationale Diplomatie, Medien und das moderne urbane Leben stehen. Auf digitalen Bildschirmen konnten Passanten Archivmaterial, Fotografien und historische Fakten betrachten. Über einen QR-Code gelangten sie zudem auf eine eigens für das internationale Publikum eingerichtete Website des Gedenkzentrums.

Die Kampagne greift eine Frage auf, die vielen Serben im Ausland besonders vertraut ist, da sie im Alltag häufig erklären müssen, woher sie kommen und wer sie sind: Die Welt kennt Nikola Tesla, Mihajlo Pupin, Milutin Milanković, Novak Đoković und Nikola Jokić – doch kennt sie auch das Leid des Volkes, dem sie entstammen? Gerade dieser Kontrast zwischen dem weltweiten Ansehen bedeutender serbischer Persönlichkeiten und dem vergleichsweise geringen Wissen über die historischen Tragödien des serbischen Volkes bildet den Kern der Kampagne.

Die Besucher der Ausstellung erhielten Einblick in dokumentierte Informationen über den Völkermord an den Serben im Unabhängigen Staat Kroatien (1941–1945), über den Tod von mehr als einer Million Serben während des Zweiten Weltkriegs sowie über das System der Konzentrationslager. Dabei wurde darauf hingewiesen, dass der Unabhängige Staat Kroatien das einzige Land im besetzten Europa war, das eigens Konzentrationslager für Kinder errichtete. Darüber hinaus wurden Informationen über den Tod von mehr als 30.000 Serben während des Krieges in Bosnien und Herzegowina, über die Tragödie der Serben in der Region Srednje Podrinje und Birač, die Vertreibung von mehr als 250.000 Serben aus Kroatien, das Leid der Serben im Kosovo und Metochien, Lager, Massengräber, vermisste Personen, die Beteiligung ausländischer Mudschaheddin am Krieg in Bosnien und Herzegowina sowie über die NATO-Luftangriffe auf die Bundesrepublik Jugoslawien im Jahr 1999 präsentiert. Ein besonderer Teil der Kampagne widmete sich dem Schicksal serbischer Kinder. Anhand ihrer Lebensgeschichten sollte die menschliche Dimension der Tragödien verdeutlicht werden, die das serbische Volk geprägt haben – ein Thema, das allen, die sich für die Bewahrung der Erinnerung an die serbischen Opfer einsetzen, besonders am Herzen liegt.

Der Direktor des Gedenkzentrums der Republika Srpska, Denis Bojić, bezeichnete die Kampagne als den bedeutendsten internationalen Schritt der Institution seit ihrer Gründung. „Die Welt kennt die großen Namen des serbischen Volkes und ihren Beitrag zu Wissenschaft, Kultur und Sport. Unser Ziel ist es, der internationalen Öffentlichkeit auch jenen Teil unserer Geschichte näherzubringen, der bislang zu wenig bekannt ist – das Leid des serbischen Volkes. Mit dokumentierten Fakten, historischen Quellen und Zeitzeugenberichten möchten wir den serbischen Opfern eine Stimme geben. Wir sind überzeugt, dass jedes Opfer – unabhängig von seiner Nationalität – Anspruch auf Wahrheit, Würde und Erinnerung hat“, erklärte Bojić. Er kündigte zudem an, dass die Initiative mit Unterstützung der Institutionen der Republika Srpska sowie der serbischen Gemeinschaft im Ausland weiterentwickelt und auch in anderen internationalen Metropolen vorgestellt werden soll. Abschließend dankte er der Regierung der Republika Srpska, dem Ministerium für europäische Integration und internationale Zusammenarbeit der Republika Srpska, der Vertretung der Republika Srpska in den Vereinigten Staaten, Vertretern der serbischen Gemeinschaft im Ausland sowie Aleksandar Saša Jovičić, dessen Unterstützung wesentlich zum Gelingen der internationalen Kampagne beigetragen habe.

Quelle: Rasejanje.info

Foto: Gedenkzentrum der Republika Srpska